Die Kastration beim Hund

//Die Kastration beim Hund

Die Kastration beim Hund

Zum Thema Kastration Hund möchte ich darauf hinweisen, dass ich mit diesem Blog-Beitrag keine Stellungnahme für ein Pro oder Kontra zu einer Kastration von Hunden gebe, sondern lediglich zur Aufklärung bezüglich des immer wieder präsenten Themas beitragen möchte.

Was sagt das Tierschutzgesetz zur Kastration beim Hund?

Vielen Hundehaltern ist nicht bekannt, dass die Kastration laut Tierschutzgesetz verboten ist. Eine Kastration des Hundes bedeutet, dass die Keimdrüsen operativ entfernt werden. Dabei werden beim Rüden die Hoden und bei der Hündin die Eierstöcke, teilweise zudem die Gebärmutter entfernt. Beide Geschlechter verlieren durch die Kastration ihre Fortpflanzungsfähigkeit. Eine Kastration ist nicht zu verwechseln mit einer Sterilisation.

Bei der Kastration handelt es sich um die Entfernung von Organen. Dies ist gem. § 6 Abs. 1 S. 1 TierSchG bei Wirbeltieren, zu welchen auch der Hund zählt, grundsätzlich verboten. Laut § 6 Abs.  1 S. 2 TierSchG gibt es allerdings einige Ausnahmen dieses Verbotes, die vom Tierarzt gut abzuwägen sind. Beim Training, in der Haltung und natürlich auch in der medizinischen Versorgung verfolgen wir den Grundsatz, dem Hund niemals schaden zu wollen. Wenn wir diesen Grundsatz auch in Bezug auf die Kastration ernst nehmen, muss die Entscheidung zur Kastration beim Hund sehr gut überlegt und begründet sein.

Das große Umdenken zum Thema Kastration

Zum Thema Kastration beim Hund hat es einen Wechsel in der wissenschaftlichen Grundauffassung gegeben. Noch vor nicht allzu langer Zeit gaben Tierärzte und Hundetrainer häufig den Rat, einen Hund kastrieren zu lassen. Ausschlaggebende Gründe für diese Maßnahme waren z. B. die Prophylaxe verschiedener Krankheiten, eine generelle Erleichterung der Haltung oder Verhaltensprobleme. Nebenbei hat man den Vorteil der Unfruchtbarkeit mitgenommen. Speziell bei Rüden wird häufig von Hundetrainerinnen oder -trainern eine Kastrationsindikation gestellt, um Erziehung und Handling zu erleichtern. Davon sollte man jedoch unter Berücksichtigung der nachfolgend geschilderten Faktenlage absehen! Eine sich eventuell etwas schwieriger als erwartet gestaltende Erziehung stellt nicht automatisch eine ausreichende Begründung für eine Kastration dar.

Studien zur Kastration

In umfassenden Studien wurde festgestellt, dass kastrierte Tiere beiderlei Geschlechts ein teilweise um ein mehrfaches erhöhtes Risiko aufweisen, an bestimmten Krebsarten zu erkranken, und das auch noch zu einem deutlich früheren Zeitpunkt als intakte Artgenossen. Auch bestimmte Verhaltensstörungen, vor allem die Angst vor Gewittern, kamen bei kastrierten Tieren deutlich häufiger vor. Studien belegen, dass das Risiko für die Entwicklung von Knochenkrebs für kastrierte Hunde um das Drei- bis Vierfache erhöht ist. Bösartige Prostatatumoren beim Rüden treten bei Kastraten nicht seltener, sondern häufiger auf! Die erhöhte Anfälligkeit für Tumorerkrankungen wird aktuell mit einer Beeinträchtigung des Immunsystems in Zusammenhang gebracht, die mit dem Wegfall der Geschlechtshormone zusammenhängt. Bei kastrierten Hunden wird eine höhere Infektanfälligkeit nachgewiesen.

ACHTUNG! Bitte jetzt keine Panik. Wenn bei einer bestimmten Tumorart von einer Verdreifachung des Risikos gesprochen wird, sollte man sich klarmachen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für diese Tumorart an sich ist, liegt diese z. B. bei 2 Prozent, dann bedeuten die aus einer Verdreifachung des Risikos resultierenden 6 Prozent immer noch, dass ein Hund diesen Tumor zu 94 Prozent NICHT bekommen wird.

Kastration - eine gute Entscheidung?

 

 

Erkenntnisse heute

Heute weiß man, dass eine Kastration fast sicher das Auftreten von den berüchtigten Milztumoren fördert. Ältere Hunde leiden sehr häufig unter dieser extrem bösartigen und gefährlichen Tumorart. Selbst verschiedene orthopädische Probleme werden inzwischen mit der Kastration in Verbindung gebracht. Bezüglich Kreuzbandrissen scheint es bereits unumstritten festzustehen, dass diese Verletzung bei kastrierten Tieren deutlich häufiger vorkommt. Ein Zusammenhang zwischen der Kastration und der sehr häufigen Schilddrüsenunterfunktion bei älteren Hunden ist inzwischen recht klar.

Kastration und Verhalten

Es dürfte allseits bekannt sein, dass eine Kastration sich auf das Verhalten eines Hundes sowohl positiv, wie auch negativ auswirken kann. Daher Vorsicht: Je nach Hormonstatus zum Zeitpunkt der Kastration kann ein unerwünschtes Verhalten beibehalten oder sogar verstärkt werden. Eine Kastration vor oder während der Pubertät kann zur Folge haben, dass es zu Wachstumsstörungen kommt.

Risiken der Kastration bei einer Hündin

  • Harninkontinenz (Harnträufeln), tritt umso wahrscheinlicher auf, je schwerer die Hündin ist oder wird.
  • Übergewicht, die vor allem dann entsteht, wenn die Fütterung nicht an den reduzierten Kalorienbedarf nach einer Kastration angepasst wird.
  • Fellveränderungen (Baby- oder Wollfell), tritt sehr häufig bei langhaarigen Rassen auf.
  • Erhöhtes Krebsrisiko der o. g. Krebsarten.
  • Die weitverbreitete Schilddrüsen-Unterfunktion bei Hunden wird so gut wie ausschließlich bei kastrierten Tieren festgestellt.

Vorteile der Kastration bei einer Hündin

  • Keine Läufigkeit mehr, somit keine Blutung und keine ungewollte Fortpflanzung.
  • Die Psyche kann stabilisiert werden, da es zu einer Vermeidung starker hormoneller Schwankungen im Rahmen der Läufigkeit kommt. Aber VORSICHT, bei manchen Hündinnen kann nach der Kastration ein gewisser Testosteron-Überhang entstehen, was die Hündin insgesamt männlich-grimmiger machen kann.
  • Verhinderung von Brustkrebs, je nach Zeitpunkt der Kastration.
  • Vermeidung von Eierstock-Tumoren und der Gebärmutter-Vereiterung.

Risiken der Kastration bei einem Rüden

  • Harninkontinenz kann auch beim Rüden gelegentlich auftreten, allerdings viel seltener als bei der Hündin.
  • Übergewicht, die vor allem dann entsteht, wenn die Fütterung nicht an den reduzierten Kalorienbedarf nach einer Kastration angepasst wird.
  • Fellveränderungen (Baby- oder Wollfell), tritt sehr häufig bei langhaarigen Rassen auf.
  • Erhöhtes Krebsrisiko der o. g. Krebsarten.
  • Schilddrüsenunterfunktionen wird überwiegend nur bei kastrierten Tieren festgestellt.

Vorteile der Kastration bei einem Rüden

  • Das Verhalten kann sich positiv verändern, die Kastration ist aber keine Garantie dafür.
  • Verhütung der Krankheiten:
    -Hodentumore
    -Prostatatumoren
    -gutartige Prostatavergrößerung
    -Perianaltumoren

Fazit: Eine Kastration bleibt immer eine Einzelfallentscheidung unter Abwägung aller Faktoren!

Selbstverständlich wird es nach wie vor Hunde geben, die nach sorgfältigster Abwägung der individuellen Umstände trotzdem kastriert werden. Hierfür sollten dann aber schwerwiegende Gründe vorliegen.

Meine persönliche Entscheidung

Als meine Hündin Emily im Alter von 4 Jahren eine Magendrehung nur knapp überlebte, habe ich auch darüber nachgedacht, ob ich sie zu einem späteren Zeitpunkt kastrieren lasse. Die Scheinmutterschaft war bei ihr nach jeder Läufigkeit sehr ausgeprägt. Nachdem ich mich jedoch eingehend mit dem Thema auseinandersetzte, war für mich klar, dass eine Kastration nur bei medizinischer Indikation in Frage kommt.

In unserem Haushalt leben zwei intakte Eurasier-Hündinnen und ein intakter Eurasier-Rüde. Die Läufigkeiten bedürfen natürlich einiger Maßnahmen. Bisher war lediglich an den Stehtagen eine räumliche Trennung (aber nur häuslich) erforderlich. Eine weitere Maßnahme treffen wir auf unseren Spaziergängen, die erfolgen während der Läufigkeiten grundsätzlich zwischen Hündin und Rüde getrennt, um unnötig ausgeprägtes Aggressionsverhalten gegenüber anderen Rüden zu vermeiden.

Und wenn nun doch eine Kastration erforderlich ist?
Wie hoch sind dann die Kosten?

Kosten einer Kastration bei der Hündin – Kosten einer Kastration beim Rüden

Nach der Gebührenordnung für Tierärzte (GOT) gültig ab 27. Juli 2017, betragen die Kosten für eine Kastration der Hündin im Normalfall beim 1-fachen Satz 160,34 Euro, beim 2-fachen Satz 320,68 Euro und beim 3-fachen Satz 481,02 Euro.

Die Kosten einer Kastration beim Rüden betragen nach GOT im Normalfall für den 1-fachen Satz 51,31 Euro, für den 2-fachen Satz 102,62 Euro und für den 3-fachen Satz 153,93 Euro.

ACHTUNG! Das sind nur die Angaben für die reine Kastration. Kosten für die Beratung und Untersuchung im Vorfeld, die Kosten für Medikamente, die Nachsorge und angewandte Hilfsmittel kommen in jedem Fall noch hinzu. Man kann also davon ausgehen, dass die Kosten für eine Kastration bei der Hündin im Normalfall und ohne Komplikation bei ca. 300 bis 600 Euro liegen. Die Kosten für eine Kastration beim Rüden liegen im Normalfall und auch hier ohne Komplikation bei ca. 200 bis 350 Euro.

Treten Komplikationen auf, muss mit deutlich höheren Kosten gerechnet werden. Handelt es sich bereits um einen Notfall, sollte man mit Kosten zwischen 1.000 und 2.000 Euro rechnen. Bei beiden Geschlechtern können verschiedene Gründe die Kosten durchaus bis auf 4.000 Euro und mehr steigen. Dies kann der Fall sein, wenn eine Notoperation durchgeführt werden muss, Komplikationen bei der Operation entstehen, eine lange Nachbehandlung erforderlich ist und regelmäßig Kontrollen durch den Tierarzt erforderlich sind. Die Kosten sind je nach Aufwand und Tierarzt unterschiedlich.

Was bedeutet die Abrechnung nach dem 1-fachen, 2-fachen oder 3-fachen Satz? 

Der Tierarzt muss seine Leistung nach der GOT abrechnen, er darf aber entscheiden, ob er den 1-fachen Satz oder, je nach Aufwand, bis zum 3-fachen Satz abrechnet. Handelt es sich um eine weniger aufwendige Behandlung, berechnet der Tierarzt den 1-fachen Satz (er kann auch den 1,3 oder 1,5-fachen Satz berechnen) und für aufwendige Behandlungen bzw. Operationen wird der 2-fache GOT-Satz zur  Berechnung herangezogen. Hierbei ist auch der Standort des Tierarztes wichtig. Befindet sich der Tierarzt in einem sehr ländlichen Gebiet, wird überwiegend der 1-fache Satz berechnet. Extrem selten kann es vorkommen, dass der Tierarzt die Berechnung auf Basis des 3-fachen Satzes vornimmt. Dann muss es sich jedoch um sehr aufwendige und überdurchschnittlich lange Operationen mitten in der Nacht oder am Wochenende handeln. Das bedeutet aber nicht, dass der Tierarzt in solchen Notfällen für alles den 3-fachen Satz abrechnen kann, sondern nur für einzelne Posten.

Weiterführende Links:

Justus-Liebig-Universität Gießen: Untersuchungen zum Auftreten unerwünschter Nebenwirkungen einer Kastration bei Hündinnen und Rüden

Kleintierpraxis Ralph Rückert: Die Kastration beim Hund – ein Paradigmenwechsel

 

Von | 2019-10-14T21:55:37+01:00 September 13th, 2018|Hundegesundheit|4 Kommentare

Über den Autor:

Hey, ich bin Martina Leist und lebe in Rödinghausen-Bruchmühlen mit meinem Mann, meiner Mutter und unseren drei Eurasiern. Mit großer Leidenschaft arbeite ich als zertifizierte Hundetrainerin nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Vorgaben von Trainieren statt dominieren. Neben der Verhaltensanalyse und einem kompetenten Hundetraining biete ich auch eine fachkundliche Beratung zur Ernährung von Hunden.

4 Kommentare

  1. Christiane Staat 20. September 2018 um 09:18 Uhr - Antworten

    Liebe Martina,
    Vielen Dank für deine Hilfe für ein harmonisches Zusammenleben von Mamahündin und Tochterhündin.
    Die beiden sind ein Traumteam und das mit deiner Hilfe.

    Vielen Dank senden Christiane, Bell und Little Pina

    • Martina Leist 20. September 2018 um 16:42 Uhr - Antworten

      Liebe Christiane, herzlichen Dank. Ich freue mich sehr über das Ergebnis. Liebe Grüße Martina

  2. Karen 12. Februar 2019 um 08:33 Uhr - Antworten

    Sehr guter Artikel. Den werde ich mir merken. Danke Martina

    • martinal 12. Februar 2019 um 09:17 Uhr - Antworten

      Dankeschön für dein Feedback, Karen. Ich freue mich.

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