Magendrehung beim Hund

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Magendrehung beim Hund

Magendrehung beim Hund –
Für uns wurde der Albtraum Realität!

Eine Magendrehung ist wohl der Albtraum eines jeden Hundebesitzers. Für uns wurde er am 25. September 2017 bittere Realität. Es ging um Leben und Tod für unsere damals 4-jährige Eurasier-Hündin, Emily!

Die Rückfahrt von einem verlängerten Wochenende auf der Insel Usedom stand uns bevor. Vor der Fahrt verzichtete ich darauf, unsere drei Eurasier zu füttern, damit sie sich nicht übergeben mussten. Zwischendurch, so nach der Hälfte der Reisezeit, machten wir eine Pause und wunderten uns, dass Emily ganz nass war. Sie hatte sehr viel gehechelt und die Decke in ihrer Box war sehr nass. Beim Spaziergang war ihr jedoch nichts anzumerken. Wir machten zur Auslastung für die Hunde noch ein wenig Nasenarbeit mit ihnen, gingen zurück zum Auto und boten ihnen Wasser an, um dann unsere Fahrt fortzusetzen.

Als wir abends endlich zu Hause ankamen, freuten sich unsere drei Lieblinge sehr und liefen freudig in unseren Garten. Sie hatten großen Durst – unterwegs trinken sie leider wenig bis gar nichts – und tranken erst einmal ordentlich Wasser. Nach einigen Minuten stellte ich ihnen ihr Futter bereit, doch Emily mochte nicht fressen. Jeden Abend nach dem Fressen bekommen sie noch eine Kaustange, die sie sehr gerne fressen und auf die sie schon immer ungeduldig warten.

Emily verweigerte auch die Kaustange. Stattdessen ging sie in den Garten und verkroch sich in der letzten Ecke in dichtem Gebüsch. Ich versuchte, sie herauszulocken, sie ging jedoch sofort wieder zurück. Nun bat ich meinen Mann, Emily zu holen, was er zum Glück auch schaffte. Er sagte mir sofort: „Emily geht es nicht gut.“ Ein Blick und ich war mir sicher, Emily hat eine Magendrehung. Warum ich mir so sicher war, kann ich nicht sagen, für mich war es Fügung von höherer Gewalt. Spontan hätte vorher wahrscheinlich nicht die Symptome einer Magendrehung nennen können. Die Zunge hing Emily weit aus dem Maul und war auch nicht mehr rosig. Emily wirkte sehr apathisch und der Bauch blähte auf.

Nun war Eile geboten, Anruf in der Tierklinik. Hier wurde mir gesagt, ich solle Emily erst einmal beobachten, es käme schon mal vor, dass Hunde erbrechen und sich dann wieder erholen. Nicht länger als eine Minute habe ich das ausgehalten. Emily versuchte, sich zu übergeben, was natürlich nicht funktionierte. Wir haben sie ins Auto getragen, mein Mann ist gefahren und ich habe währenddessen erneut in der Tierklinik angerufen und uns angemeldet. Dort angekommen wurde sie geröntgt, und meine Vermutung wurde bestätigt.

Noch in unserem Beisein wurde die Narkose gesetzt, dann mussten wir unseren Liebling allein in den Händen des Arztes lassen. Der Arzt erklärte uns noch, dass es nach der Operation noch eine sehr kritische Phase gibt. Durch die Drehung wird der Blutkreislauf unterbrochen, kommt dieser anschließend wieder in Gang, kann es passieren, dass sich Blutgerinnsel vor das Herz setzen. Er erklärte uns, dass wir keine Ursachenforschung betreiben sollten, denn dabei würde man nicht zu einem Ergebnis kommen. Zudem sagte er uns, dass wir Emily nicht besuchen dürfen, da eine erneute Trennung nur noch mehr Stress für sie bedeuten würde. (Ich hätte mich auch gar nicht trennen wollen, wäre auch mit Isomatte und Schlafsack zu Emily gezogen).

Der Arzt rief mich nach der durchgeführten Operation  an und teilte mir mit, dass er und seine Assistentin (die auch seine Ehefrau ist) sehr erschrocken über Emilys Zustand waren. Die Magenwände hatten schon mehrere dunkle Stellen und der Kreislauf war sehr schlecht. Ihr wäre nicht mehr viel Zeit geblieben. Da hat unsere Emily ein ganzes Bataillon an Schutzengeln zur Seite gehabt. Dazu gehört wohl auch die Tatsache, dass ich mir sofort sicher war, dass es eine Magendrehung ist.

Die Stunden des Hoffens und Bangens sind fürchterlich und endlos lang. Vergehen ansonsten die Tage im Fluge, schlichen nun die Sekunden dahin. Am nächsten Morgen rief ich in der Tierklinik an und war glücklich zu hören, dass Emily die Nacht gut überstanden hatte. Am Abend um 18:00 Uhr durfte ich wieder anrufen. Nun wurde mir berichtet, dass Emily schon einmal zum Pipi machen draußen war, sie hatte auch etwas getrunken, aber nichts gefressen. Mir wurde erklärt, dass sie erst etwas fressen muss, damit sie sehen, ob das im Magen bleibt, bevor sie wieder nach Hause darf. Am nächsten Tag sollte ich mittags noch einmal anrufen und mich erkundigen.

Mir war klar, dass Emily dort mit Sicherheit nichts fressen würde. Sie hat bestimmt gelitten, allein in der Box, ohne ihre Menschen. Außerdem sind Eurasier sehr auf ihre Menschen bezogen und lassen sich nicht von jedem füttern. Mir war klar, Emily musste nach Hause, dann würde sie auch fressen.

Am nächsten Morgen wartete ich mit meinem Anruf nicht bis zum Mittag, gegen 10:00 Uhr rief ich an und fragte, wann ich Emily abholen könnte. Am anderen Ende der Leitung stutzte die Angestellte, reichte das Telefon weiter an die Ehefrau des Arztes. Wieder bekam ich zu hören, dass es Emily eigentlich gut ginge, sie aber nicht fressen würde. Deshalb habe man ihr schon etwas ins Maul gestopft, um zu sehen, ob sie das bei sich behält. Mir blieb die Spucke weg – meine arme Emily – was für ein Trauma.

Ich teilte der Arztfrau mit, dass Emily dort nichts fressen wird, worauf sie erstaunt fragte: „Das wissen Sie schon?“ Ich erklärte ihr, dass Emily noch nie von einem Fremden Leckerchen genommen hat. Mir wurde nun erlaubt, um 16:00 Uhr mit eigenem Futter zu kommen. Alle Register fuhr ich auf, Rinderfilet, Tatar, Hähnchenbrustfilet und Leberwurst, mit der Gewissheit, dass Emily auch das nicht fressen wird. Dazu muss man wissen, dass unsere kleine Prinzessin uns auch die besten Leckerchen vor die Füße spuckt oder gar nicht erst annimmt, wenn sie mit der aktuellen Situation in irgendeiner Form nicht einverstanden bzw. zu sehr gestresst ist.

Endlich war es so weit! Ausgerüstet mit den Leckereien für Emily und vorsichtshalber auch mit Proviant für mich startete ich Richtung Tierklinik. Schon als ich auf dem Parkplatz der Klinik aus meinem Auto ausstieg, hörte ich Emily laut jaulen. Als man sie dann endlich zu mir brachte, kannte die Freude keine Grenzen. Ich saß auf dem Fußboden und Emily stürmte auf mich zu. Der ganze Körper wedelte, nicht nur die Rute. Selbst die Arztfrau war erstaunt über so viel Wiedersehensfreude. Gefressen hat sie, wie schon im Vorfeld vermutet, nichts. Jedoch konnte ich den Arzt überzeugen, dass es zu Hause schon klappen würde. Der Kreislauf war stabil und sie hatte auch kein Fieber. Er stimmte zu; Gott sei Dank!

In ihrer gewohnten Umgebung hat sie mir sofort Futter abgenommen und auch bei sich behalten. Das Schlimmste ist überstanden. Über 6 Wochen bekam sie im Anschluss fünf kleine Mahlzeiten am Tag

Nach 10 Tagen wurden die Fäden gezogen, dabei war unsere kleine Prinzessin vorbildlich lieb. Der Arzt war erstaunt, wie viel Fell in der kurzen Zeit schon wieder nachgewachsen war. Nun noch 3 Tage die Halskrause (wir haben die Variante des aufblasbaren Kragens bevorzugt) tragen, dann konnte sie auch wieder mit ihren beiden Kindern normal spielen.

Es war eine schreckliche Zeit, die wir hoffentlich nie wieder erleben müssen. Euch wünsche ich, dass dieser Notfall nie eintritt. Falls doch, helfen Euch vielleicht die nachfolgenden Informationen, um rechtzeitig zu reagieren.

Was ist eine Magendrehung?

  • Immer häufiger nimmt man an, dass es zuerst zu einer spontanen Magenerweiterung (aus heiterem Himmel) und es deswegen zu einer Magendrehung kommt, wobei sich der Magen des Hundes um die Längsachse dreht, was dazu führt, dass der Mageneingang und -ausgang abgeschnürt wird. Die Abschnürung führt dazu, dass die im Magen entstehenden Gase nicht entweichen können und somit der Magen immer mehr aufgast und stark gedehnt und hart wird. Durch die Verdrehung werden größere Blutgefäße abgeschnürt. Die Folge ist eine Sauerstoff-Unterversorgung des Magens und weiterer Organe. Kommt es nicht zu einer sofortigen Behandlung, kann das betroffene Gewebe im schlimmsten Fall absterben. Lebensgefahr!

Was sind typische Symptome?

Der Bauchumfang nimmt direkt hinter den Rippen zu. Weitere Symptome sind:

  • plötzliche Unruhe (auch aus der Ruhe heraus)
  • rennt ruhelos in und her – versucht sich zurückzuziehen
  • wenn überhaupt, legt er sich nur kurz hin, der Hund findet keine angenehme Position mehr
  • die Zunge hängt weit aus dem Maul und ist auch nicht mehr rosig
  • der Bauch bläht sich auf
  • der Hund stöhnt und jammert
  • der Hund speichelt sehr stark
  • der Hund versucht vergeblich, sich zu übergeben (ist aufgrund des Magenverschlusses nicht möglich)
  • die Vitalwerte verschlechtern sich zunehmend
  • Hochgradige Beeinträchtigung von Atmung und Kreislauf bis hin zum Schock
  • Schäden am Magengewebe bis hin zum Absterben des Gewebes oder gar Perforation der Magenwand (Mageninhalt gelangt in die Bauchhöhle)
  • Schädigung der Milz
  • Giftstoffe können in den Kreislauf gelangen und weitere Organe schädigen
  • Lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen
  • Lebensgefahr! Unbehandelt führt die Magendrehung innerhalb kurzer Zeit zum Tod des Hundes.

Leider liegt selbst bei Hunden, die behandelt werden, die Todesrate noch erschreckend hoch. 

Was ist zu tun bei Verdacht auf eine Magendrehung?

Besteht der Verdacht auf eine Magendrehung, heißt es SOFORT mit dem Hund in die Klinik. Für einen Notfall solltest Du Adresse und Telefonnummer der Tierklinik abspeichern. Denke auch daran, diese Daten für den Urlaubsort zu speichern.

Auf dem Weg zur Klinik dort anrufen und über den voraussichtlichen Notfall informieren. Ist ein Arzt vor Ort? Kann bei Bedarf auch sofort operiert werden?

Umso schneller Dein Hund auf dem OP-Tisch liegt, desto höher seine Chancen zu überleben.

Was sind die Ursachen für eine Magendrehung?

Es ist noch nicht eindeutig geklärt, was die genauen Auslöser für eine Magendrehung beim Hund sind. Fest steht jedoch, dass das starke Aufblähen des Magens (Dilation oder Magendilation) ein großer Risikofaktor ist. Die Gase können entweder  durch die normale Luft aufgenommen werden, z. B. durch starkes Hecheln oder beim schnellen Fressen von Futter. Auch Kohlendioxid, welches im Magen entsteht, kann ein Aufblähen des Magens verursachen.

Ein etwas höheres Risiko haben Hunde, die sehr schnell fressen. Eventuell liegt es daran, dass beim Fressen deutlich mehr Luft mit geschluckt wird. Um das Fressen stressfrei und langsamen zu gestalten, könnte ein Anti-Schling-Napf zur Fütterung verwendet werden.

Das Hochstellen von Futter- und Wassernäpfen führt (laut der Studie mit knapp 2000 Hunden) zu einem mehr als doppelt so hohen Risiko.

Manche Studien belegen, dass die Fütterung von ausschließlich Trockenfutter mit der Magendrehung in Verbindung gebracht werden kann, hier gibt es jedoch wohl unterschiedliche und zum Teil widersprüchliche Ergebnisse.

Das Risiko steigt, wenn gerade große Rassen nur eine Mahlzeit täglich bekommen. Die ständige Überdehnung des Magens durch die große einmalige Futtermenge kann sich unter Umständen negativ auswirken. 

Nass- oder Barf-Futter sollte nicht zu lange an der frischen Luft stehen, um einen Gärungsprozess zu verhindern. Die  Näpfe sollten nach dem Fressen gereinigt werden. Eine übermäßige Kalziumgabe kann die Gasbildung fördern (während Kalzium in der passenden Menge und dem richtigen Verhältnis zum Phosphor natürlich generell Teil jeder Mahlzeit sein muss).

Wie kann man einer Magendrehung vorbeugen?

Wichtig: Das Futter sollte hygienisch einwandfrei sein und ein minimalstes Risiko einer Kontamination durch Bakterien darstellen. Mit einem guten Nassfutter oder selbst abgekochtem Futter bist Du hier gut beraten. Der Magen muss dann nicht mit von außen kommenden Keimen kämpfen und die Flora im Magen bleibt intakt. Ich empfehle stets, mit Power-Darm eine regelmäßige Darmsanierung als Kur durchzuführen.

Das Thema gesunde Ernährung für den Hund ist wirklich komplex. Es lohnt sich, hier auf fachmännischen Rat zu Vertrauen. Weitere Informationen zum Thema Ernährung findest Du hier.  Dazu ein Hinweis: Nicht jeder Tierarzt ist auch ausgebildeter Ernährungsberater.

Ein weiterer Faktor ist, dass vermutlich nervöse, ängstliche und aggressive Hunde ein erhöhtes Risiko haben. Stress kann Auslöser einer Magendrehung sein oder diese begünstigen. Das Risiko ist deutlich erhöht, wenn ein direkter Verwandter (1. Grades) bereits eine Magendrehung hatte.

Entgegen der weitläufigen Meinung, dass nur große Rassen betroffen sind, möchte ich darauf hinweisen, dass es jeden Hund treffen kann!

Offenbar sind wohl besonders häufig Hunde betroffen, die bereits mehrfach unter Problemen mit Magen-Darm-Erkrankungen leiden. Eine Magendrehung entwickelt sich bei den meisten Hunden am späten Abend oder in der Nacht, also aus der Ruhe heraus.

Dieser Artikel hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit, ich bin keine Ärztin, habe jedoch nach bestem Gewissen recherchiert und versucht, auf die wichtigsten Fragen einzugehen.

Tierarzt Dr. Ralph Rückert veröffentlich in seinen Blog-Beiträgen einen kompetenten Artikel zum Thema Magendrehung. Hier geht’s zum Blog-Beitrag von Dr. Ralph Rückert

 

 

 

 

Von | 2019-05-13T18:00:20+02:00 Mai 13th, 2019|Uncategorized|0 Kommentare

Über den Autor:

Hey, ich bin Martina Leist und lebe in Rödinghausen-Bruchmühlen mit meinem Mann, meiner Mutter und unseren drei Eurasiern. Mit großer Leidenschaft arbeite ich als zertifizierte Hundetrainerin nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und den Vorgaben von Trainieren statt dominieren. Neben der Verhaltensanalyse und einem kompetenten Hundetraining biete ich auch eine fachkundliche Beratung zur Ernährung von Hunden.

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